Andachten

Andacht

Andacht 17.06.2017

17. Juni 2017 | Marc-Oliver Schulz

Andacht 17.06.2017

© Foto: adventisten.de

Die Pharisäer ... versuchten [Jesus] und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel. Und er seufzte in seinem Geist ... Markus 8,11-12

Und jetzt beten? Nein, ich traue mich nicht, jedenfalls nicht vor meiner Tochter. Damals, als ihr der Metall­knopf von der Jacke abgesprungen ist, habe ich gedacht: Das nutzt du und zeigst ihr: Das, was sie gerade im Gottesdienst gehört hat, kann sie ganz praktisch erleben. Und jetzt soll ich riskieren, sie wieder zu ent­täuschen? Wir haben damals den großen Knopf nicht gefunden: Soll ich jetzt darum beten, dass wir eine fin­gernagelgroße, durchsichtige Kontaktlinse in einer öli­gen Salzkruste entdecken, die sich über Milliarden bun­ter Ufersteinchen zieht? Ich hole meine Frau zu Hilfe. Zu dritt wühlen wir stumm nach dem Plastiktropfen im Tropfenmeer. Die Suche scheint sinnlos zu sein - aber um hier im Ausland weiterzukommen, müssen wir sie finden!

Ich ärgere mich darüber, dass ich mich nicht traue, offen zu beten, jetzt, wo es mir guttun würde. Weil ich so dumm war, dem allwissenden Gott vorschreiben zu wollen, wann und wie er sich meinem Kind zu offen­baren hat. Wie widersprüchlich ich mich verhalten habe! Erzähle ich als Pastor nicht immer davon, dass Gott die Liebe ist? Und dann meine ich, ihn daran er­innern zu müssen, was die Liebe von ihm fordert? Und so schildere ich Gott meine Not weiter, bleibe aber stumm aus Angst vor einer weiteren Enttäuschung. Ein toller Glaube!

Jesus unterschied fein zwischen echten Anliegen und Situationen, in denen er vorgeführt oder benutzt werden sollte. Ein tiefer Seufzer, so lesen wir im An­dachtstext, entfuhr ihm, als wieder einmal versucht wurde, aus ihm eine Wunscherfüllungsmaschine zu machen. Darauf ließ er sich nicht ein - auch nicht, wenn es um seine Glaubwürdigkeit ging.

Auch ohne glücklichen Ausgang hätte mich dieser Tag viel gelehrt. Gott ist Gott - und er ist auch so von uns zu behandeln. Sein Handeln ausrechnen und ihn unter Erwartungsdruck setzen zu wollen, ist lächer­lich und zeigt, dass ich nicht verstanden habe, was Liebe eigentlich ist.

Da schreit meine Frau auf. Sie hat die Kontaktlinse gefunden! Wir schauen uns an und fragen: „Hast du auch gebetet?“ Ja, wir haben, alle drei - stumm, jeder für sich. „Danke!“ sagen wir Gott gemeinsam.

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