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Andacht

Andacht 15.06.2017

15. Juni 2017 | Friedhelm Klingeberg

Andacht 15.06.2017

© Foto: adventisten.de

Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch. 1. Thessalonicher 5,16-18

„Lieber Herr Klingeberg: ,Betet ohne Unterlass' - ist das machbar? Wie ist das wirklich gemeint?“

Unwillkürlich denke ich bei dieser Frage als erstes an die Tradition der „ewigen Anbetung“, die im stren­geren Katholizismus seit mittelalterlichen Zeiten eine große Bedeutung hat. Bis heute gibt es sogenannte kontemplative Orden, deren Angehörige ganz bewusst in strenger Klausur leben und sich zur Aufgabe gemacht haben, die Nöte der Welt und der Kirche im Gebet unausgesetzt vor Gott zu bringen.

Das Anliegen, das diesem Fürbitte-Verständnis zugrunde liegt, kann ich durchaus nachvollziehen, auch wenn ich selbst höchstwahrscheinlich niemals in der Lage wäre, in einer derart strengen Ordens­gemeinschaft mehr als zwei, drei Tage durchzuhalten. Nicht jeder ist für ein solches Leben geschaffen, auch nicht jeder Christ - aber ist es überhaupt das, was Paulus in unserem heutigen Andachtswort meint, wenn er uns auffordert, „ohne Unterlass“ zu beten? Und ist es das, was Gott selbst von uns, seinem „Bodenpersonal“, verlangt?

Das kann schon deshalb kaum möglich sein, weil Paulus diese Aufforderung nicht absondert, sondern sie als Bestandteil eines ganz besonderen Dreiklangs niedergeschrieben hat, dessen Bestandteile er offen­bar als durchaus gleichwertig empfindet. Er beginnt mit der Fröhlichkeit, und schon dieser Punkt klärt eigentlich die Dinge. Wer „allezeit fröhlich“ ist, der hat aktiven Anteil am Leben und kann nicht endlos schweigend auf den Knien liegen. Und auch Dankbar­keit will sich aktiv äußern, nicht nur im „stillen Käm­merlein“.

Worum es wirklich geht, ist auch mir persönlich erst nach langen Jahren eines erfreulichen, aber eher unspektakulären Christenlebens bewusst geworden. Erst, als ich gänzlich am Ende meiner Kräfte war und erfuhr, dass ohne Jesus gar nichts mehr ging, erlebte ich auch, was es wirklich bedeutet, jeden Tag aus der persönlichen Beziehung zu ihm zu leben. Und genau das meint Paulus mit dem „Beten ohne Unterlass“. Ich hätte vermutlich längst aufgegeben, wenn ich nicht aus Erfahrung wüsste, dass ich dem Herrn wirklich alle meine Sorgen anvertrauen darf. Weil er mich begleitet, hält und trägt, kann ich trotz allem fröhlich sein. Genau diese Erfahrung wünsche ich auch dir heute.

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