Andachten

Andacht

Andacht 06.06.2017

06. Juni 2017 | Beate Strobel

Andacht 06.06.2017

© Foto: adventisten.de

Hört auf, euch zu streiten! Duldet keine Spaltungen in der Gemeinde, sondern steht fest zusammen, seid einig in allem, was ihr glaubt und entscheidet! Von Leuten aus dem Haus der Chloë habe ich erfah­ren, dass ihr Streit miteinander habt. 1. Korinther 1,10-11 (Hoffnung für alle)

Mein Vater sagte immer: „Wo es Menschen gibt, da menschelt’s!“, und zum „Menscheln“ gehört auch das Streiten. Das entsteht meistens dann, wenn gegen­sätzliche Interessen deutlich werden oder das Verhal­ten anderer als Belästigung empfunden wird. Ent­scheidend ist aber, wie ich darauf reagiere. Streiten muss gelernt werden. Streit zu vermeiden ist sicher ein hohes Ziel, aber dieses zu erreichen ist schon die Folge eines Lernprozesses. Es kommt darauf an, wie man mit unterschiedlichen Meinungen umgeht. Das nennt man heutzutage „Streitkultur“.

Streit zwischen Menschen gibt es wohl so lange, wie es Menschen gibt, und das lässt sich bis in die Anfänge der Menschheitsgeschichte zurückverfolgen. Dass es auch in der Gemeinde in Korinth Streit gege­ben hat, wie unser Andachtstext zeigt, mag verwun­dern, ist aber auch eine Tatsache. Der Streit war der Anlass, dass sich die Gemeinde spaltete, weil sie verschiedenen Lehrern folgte. Paulus glaubte, schlich­ten zu können, indem er die Gemeinde eindringlich ermahnte. Sicher ist dies ein Weg, wenn der Mahnen­de große Autorität besitzt und seine Ermahnung zum Umdenken führt. Leider ist oft eine solche Autorität nicht da, wenn man sie braucht.

Es gibt noch einen Weg. Doch der verlangt mehr, als so manch einer zu geben bereit ist. In der Bergpre­digt verlangt Jesus von seinen Nachfolgern, die ande­re Wange auch noch hinzuhalten, nicht nur das Hemd, sondern auch den Mantel zu geben, und nicht nur eine, sondern zwei Meilen mitzugehen (Mt 5,39-41). Mit anderen Worten: Streit ist zu vermeiden durch Nachgeben. So wird der andere dadurch verblüfft, dass ich ihm freiwillig mehr gebe, als er eigentlich will.

Das bedeutet, dass ich bei mir selbst anfangen und mir überlegen muss, ob ein Streit wirklich das bringt, was ich mir verspreche, oder letztlich nur belastete Beziehungen zurückbleiben. Oder ob ich den Mut habe, auf den anderen einzugehen, vielleicht auch eine „Weichei“-Beschimpfung riskiere, damit zur Ver­söhnung aufrufe und diese vorlebe. Welchen Weg ich auch wähle, der Versuch wird unsere Welt ein klein wenig friedlicher machen.

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