Andachten

Andacht

Andacht 04.06.2017

04. Juni 2017 | Sylvain Romain

Andacht 04.06.2017

© Foto: adventisten.de

Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist [Gott] treu und gerecht, dass er uns die Sünde vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. 1. Johannes 1,9

Sünden bekennen? Sollen wir uns im Gottesdienst vorne hinstellen und eine „Beichte“ ablegen? Die Bibel sagt, dass Gott dies nur verlangt, wenn andere durch unsere Verfehlung gefährdet werden (siehe den Dieb­stahl von Achan in Jos 7,19). Auch wenn jemand geist­liche Hilfe braucht, darf er gern die Gemeindeglieder um Hilfe bitten, nach dem Motto: „Ich habe die und die schlechte Gewohnheit; bitte betet für mich.“ Aber ansonsten gehört das „Bekennen“ unter vier Augen und vor allem in das Gebet vor Gott.

Sünden zu bekennen heißt, Verantwortung für sein Tun zu übernehmen, anstatt sich mit „Eigentlich wollte ich ...“ herauszureden. „Bekennen“ bedeutet, aus der Selbsttäuschung aufzuwachen und mit Gottes Urteil über unser Tun übereinzustimmen (so die Grundbedeu-tung des griechischen Wortes, das Johan­nes im Andachtstext dafür gebrauchte).

Das Wort „eigentlich“ hat zwar auch mit Bedauern zu tun, denn es signalisiert unsere Unzufriedenheit mit unserem Tun. Aber nur wer sich aufmacht, zum Vater geht und sagt: „Ich habe gesündigt ... vor dir“ (Lk 15,21), wird mit offenen Armen empfangen. Nur wer „Gott, sei mir Sünder gnädig“ betet, kehrt laut Jesus gerechtfertigt zurück nach Hause (Lk 18,13-14). Das ist die Reue, auf die Vergebung folgt (Lk 17,4), weil sie das „Eigentlich ...“ verbannt und die Sünde hinfort nicht mehr entschuldigt. Das ist echtes Bekennen.

Wir können erleben, wie der, der die Wahrheit ist, uns frei macht von Schuld und Sünde - Jesus Christus (Joh 8,34.36). Die Befreiung beginnt zu Hause, im ehrlichen Umgang miteinander. Partner können sich gegenseitig in diesem Prozess helfen, ebenso Kinder untereinander, und - warum nicht? - Eltern Kindern und Kinder Eltern. Ein ehrliches „Es tut mir leid“ zur rechten Zeit erspart viel Ablehnung und steigert ein Klima der gegenseitigen Achtung und Offenheit.

Alle großen Helden haben Fehler. Und wer echt sein will, muss bereit sein, sich von seiner angeblichen Sündlosigkeit zu befreien. Kaum jemand wird zwar behaupten, er sei vollkommen, aber wenn unsere Hal­tung so spricht, als wären wir sündlos, dann sind wir nicht besser dran als der Pharisäer in der Geschichte von Jesus, denn „wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden“ (Lk 18,14).

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