Andachten

Andacht

Andacht 24.05.2017

24. Mai 2017 | Roland Nickel

Andacht 24.05.2017

© Foto: adventisten.de

Prüfe mich, Herr, und erprobe mich, erforsche meine Nieren und mein Herz! Psalm 26,2

Es war ziemlich am Ende des Theologiestudiums. Weil wir uns im Jahrgang schon gut kannten, führten wir eine Übung zur Selbst- und Fremdwahrnehmung durch. Zunächst bewertete sich jeder selbst. Es ging um bestimmte Charaktereigenschaften wie Freund­lichkeit, Hilfsbereitschaft oder die Fähigkeit zuzu­hören. Dann bewertete jeder die anderen nach dem­selben Schema. Schließlich bekam jeder die Antworten der anderen und konnte sie mit der eigenen Beurtei­lung vergleichen.

Das war spannend für mich. Bei vielen Eigenschaf­ten stimmte meine Bewertung mit der meiner Kom­militonen überein; bei anderen war sie total entgegen­gesetzt. Ich hatte mich beispielsweise beim Aspekt „Hilfsbereitschaft“ sehr hoch bewertet, aber meine Kommili-tonen erlebten mich als weniger hilfsbereit. Das war ein Schock für mich. Gemeinsam verarbeite­ten wir dann die Ergebnisse im Seminar. Das war für mich eine wichtige Erfahrung.

Es ist menschlich und natürlich, dass wir uns posi­tiv einschätzen. Wir sind überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, dass unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit entspricht oder dass wir den rechten Glauben haben. Von Zeit zu Zeit sollten wir das aller­dings überprüfen.

Der Gottesmann David hat das laut unseres An­dachtstextes getan und Gott aufgefor-dert, ihn auf „Herz und Nieren“ zu prüfen. Es handelt sich gewis­sermaßen um einen Soll-Ist-Vergleich des Glaubens­lebens, eine permanente Feedbackschleife, die sicher­stellt, dass wir unser Ziel, das Gott mit uns erreichen möchte, nicht aus den Augen verlieren. Dabei können uns Freunde, Bekannte oder Glaubensgeschwister mit einem ehrlichen Wort weiterhelfen, wenn wir bereit sind, auf sie zu hören.

David war sich in diesem Psalm seiner Sache sicher: „Ich wandle in deiner Wahrheit“, sagte er selbst­bewusst und führte dafür Beispiele an (V. 3-7).

Wenn wir allerdings Zweifel haben oder spüren, dass wir den Weg Gottes verlassen haben könnten, dürfen wir ihn um Korrektur bitten, wie es auch David bei anderer Gelegenheit tat: „Zeige mir, wenn ich auf falschen Wegen gehe, und führe mich den Weg zum ewigen Leben.“ (Ps 139,24 NLB) Wir können uns dar­auf verlassen, dass Gott diese Bitte gern erfüllen wird.

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