Andachten

Andacht

Andacht 22.05.2017

22. Mai 2017 | Thomas Lobitz

Andacht 22.05.2017

© Foto: adventisten.de

Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei. Prediger 4,12

Bei vielen kirchlichen Trauungen wird dieser Text als Grundlage für die Predigt verwendet - auch bei mei­ner Frau und mir. Die Aussagen lassen sich mühelos auf die Ehe von gläubigen Partnern anwenden (zwei Schnüre symbolisieren Mann und Frau, die dritte Schnur steht für Gott). Aber enthält dieser Text eine Botschaft nur für Eheleute?

Vor etlichen Jahren nahm ich an einer Jugend­-Segelfreizeit teil. Einmal schaute ich mir die Segeltaue genauer an. Sie bestanden aus drei miteinander ge­flochtenen Schnüren, ähnlich wie der Prediger Salomo sie in unserem Eingangstext beschrieb.

Sie stehen für Sicherheit, Halt und Stabilität. Das brauchen wir auch in unserem Leben. Dazu hat Gott uns Gebote gegeben, die uns vor Schaden bewahren wollen. Welches Gebot entspricht einer „dreifachen Schnur“? Die Antwort finden wir in Lukas 10,27: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Wenn wir genau hinsehen, entdecken wir drei Ele­mente darin: die Liebe zu Gott, die zum Mitmenschen und die Liebe zu mir selbst.

Die Liebe zu Gott entsteht in mir, weil er mich zuerst geliebt (1 Joh 4,19) und als sein Kind angenom­men hat. Wenn ich begreife, welch hohen Preis Gott zahlte, um mir seine Liebe zu beweisen - das Leben seines Sohnes Jesus Christus (V. 10) -, dann wird das mein Herz berühren.

Wer von Gott geliebt wird, der wird auch seine Mitmenschen lieben, denn das ist das Zeichen dafür, dass er Gott kennt (V. 7). Dabei geht es weniger um Gefühle der Sympathie, sondern um eine aufrichtige Begegnung und um praktisches Tun (vgl. 1 Joh 3,18).

Schließlich versuche ich mich selbst mit den Augen Gottes zu sehen, der mich liebt. Das befreit mich von Perfektionismus - denn wenn Gott mir meine Schuld vergeben hat, fällt es mir leichter, auch mir selbst (und anderen) zu vergeben.

Wenn ich mein Leben nach diesem Prinzip aus­richte, gewinnt es an innerer Festigkeit und Sicher­heit, weil ich dadurch weiß, was wirklich zählt.

Solche Liebe ist nicht nur Eheleuten vorbehalten. Ihre „dreifache Schnur“ gibt jedem Menschen Halt, der sein Leben damit festmacht.

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