Andachten

Andacht

Andacht 15.05.2017

15. Mai 2017 | Werner E. Lange

Andacht 15.05.2017

© Foto: adventisten.de

Und als der Tag des Pfingstfestes erfüllt war ... wurden alle [Jünger] mit Heiligem Geist erfüllt. Apostelgeschichte 2,1.4

Ich habe den Eindruck, dass Kirchen und Gemeinden das Pfingstfest nötiger haben als das Osterfest. Ich will damit keineswegs die Bedeutung von Ostern als Erinnerung an die Kreuzigung und Auferstehung Christi schmälern. Aber zumindest in den Freikirchen ist deren Bedeutung den meisten Gemeindegliedern klar. Das Bewusstsein über die Bedeutung des Heili­gen Geistes für die Gemeinde lässt aber vielfach sehr zu wünschen übrig. Das Pfingstfest will uns daran erinnern, wie entscheidend er für die Existenz der Gemeinde ist.

Es geht dabei nicht nur um die speziellen Gaben, die der Heilige Geist jedem einzelnen Gläubigen ver­leiht, damit er Christus dienen und in dieser Welt als dessen Zeuge tätig sein kann. Es geht um die Abhän­gigkeit von der Wirksamkeit des Geistes Gottes im Allgemeinen. Wie groß diese war und wie groß das Vertrauen der frühen Christen auf ihn war, zeigen die

Begebenheiten in der Apostelgeschichte. Und ohne das enorme Wirken des Heiligen Geistes wären viele der Gemeinden, zu deren Gründung Paulus oft nur wenige Tage blieben, weil er bald wieder aus der Stadt vertrieben wurde, schnell wieder eingegangen.

Der bekannte Prediger und Autor A. W. Tozer sag­te: „Wenn man den Heiligen Geist von der heutigen Gemeinde wegnähme, gingen 95 Prozent unserer Aktivitäten weiter, ohne dass jemand den Unterschied merken würde.“ („Reflections“, Christianity Today, 13.12.1985, S. 46) Er hatte dabei nicht die Volks-, son­dern die Freikirchen im Auge. (Sicher war er nicht der Erste, der zu dieser Einschätzung kam.)

Das Pfingstfest stellt also den heutigen Gemeinden einige Fragen: Spielt der Heilige Geist bei uns die ent­scheidende Rolle? Oder läuft die Gemeindemaschine­rie auch sehr gut ohne ihn? Eine andere Frage ist: Welche Chance hat der Heilige Geist überhaupt, in unseren Gottesdiensten zu wirken? Ist dazu bei dem festgefügten Ablauf überhaupt eine Gelegenheit? Das sind sicher provozierende Fragen. Leider habe ich kei­ne Patentlösung, diese Situation zu ändern. Der Heili­ge Geist lässt nicht über sich verfügen, auch nicht mit irgendwelchen Programmen oder Initiativen. Sich wirklich in Abhängigkeit von ihm zu begeben und gemeinsames demütiges Bitten ist mindestens erfor­derlich (vgl. Lk 11,13). Und Offenheit dafür, dass er anders wirken wird, als wir es uns denken.

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