Andachten

Andacht

Andacht 08.05.2017

08. Mai 2017 | Joachim Hildebrandt

Andacht 08.05.2017

© Foto: adventisten.de

So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben. Römer 3,28

Als wir auf einer Bibelfreizeit auf diesen Bibeltext zu sprechen kamen, erklärte ein Teilnehmer spontan, er habe das Wort „allein“ in seiner Bibel gestrichen, weil es im Grundtext nicht stehe. Auf meine Frage, woher er das wisse, antwortete er: Das hat mich mein Pastor im Taufunterricht gelehrt. Offenbar haben Christen, die auf das Halten der Gebote Gottes großen Wert le­gen, Schwierigkeiten mit Luthers dreifachem „allein“. Sie sind besorgt, dass Rechtfertigung allein durch den Glauben nicht nur bedeutet: Gott nimmt mich an, wie ich bin, sondern auch: Ich kann so bleiben, wie ich bin.

Die Furcht, dass Martin Luthers „allein“ Christen zu Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit dem Willen Gottes gegenüber verleiten könnte und sie dann den Kampf gegen die Sünde nicht mehr so ernst nehmen würden, hatten schon die katholischen Theologen auf dem Konzil von Trient (1545-1563).

Doch dieser Gefahr kann nur der erliegen, der die unzähligen anderen Texte der Bibel (und auch die wei­teren Aussagen des Reformators) nicht zur Kenntnis nimmt. Sie lassen keinen Zweifel daran, dass nach der Rechtfertigung „allein“ aus dem Glauben, durch die wir mit Gott versöhnt sind, die lebenslange Heiligung beginnt. Ein Christ soll nach seiner Taufe „in einem neuen Leben wandeln“, erklärte Paulus (Röm 6,4). Er wandte sich in unserem Andachtstext nicht gegen das Gesetz Gottes (die Zehn Gebote), sondern gegen die Gesetzes-gerechtigkeit, nicht gegen Werke gemäß dem Gesetz, sondern gegen Werkgerechtigkeit. „Wir sind ganz und gar Gottes Werk. Durch Jesus Christus hat er uns so geschaffen, dass wir nun Gutes tun können. Er hat sogar unsere guten Taten im Voraus geschaffen, damit sie nun in unserem Leben Wirklichkeit wer­den.“ (Eph 2,10 GNB) Das erwartet Gott von denen, die durch Christus gerechtfertigt sind, jeden Tag - auch heute.

Übrigens hat Luther selbst dem eingangs erwähn­ten Vorwurf widersprochen: „Wahr ist’s, diese vier Buchstaben sola [allein] stehen nicht drinnen.“ Aber die Kritiker „sehen nicht, dass gleichwohl die Mei­nung des Textes es in sich hat, und wo man’s will klar und gewaltiglich verdeutschen, so gehöret es hinein; denn ich habe deutsch, nicht lateinisch, noch grie­chisch reden wollen.“ (F. Zange, Hg., Zeugnisse der Kirchengeschichte, S. 273)

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