Andachten

Andacht

Andacht 07.05.2017

07. Mai 2017 | Ottmar Wander

Andacht 07.05.2017

© Foto: adventisten.de

Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisä­er, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Matthäus 5,20

 Besser, schneller, höher - nur der Erste zu sein zählt. Wer will schon der Zweite sein? Nur wer Leistung bringt, ist etwas wert. Das kennen wir zumeist aus unserem Alltag. Ob in (familiären) Beziehungen, in der Arbeit, in ehrenamtlicher Betätigung oder leider oft auch im religiösen Kontext.

Auch zu der Zeit von Jesus waren die religiösen Führer voller Forderungen an das Volk. Ihre „Ausfüh­rungsbestimmungen“ zu den göttlichen Geboten wa­ren oft gnadenlos. Man wollte ja nicht wieder wegen Ungehorsam gegen Gottes Gebote von Gott bestraft werden - wie schon oft in der Geschichte Israels. Aber irgendwas musste noch falsch laufen, sonst wäre doch die Belagerung durch die Römer schon längst Vergan­genheit. So jedenfalls klingt es zwischen den Zeilen der neutestamentlichen Berichte und zeitgenössischer Quellen heraus.

In dieser Atmosphäre musste Jesu Forderung aus dem Andachtstext irritierend gewirkt haben. War er etwa doch auf der Seite der religiösen Anpeitscher und verlangte, deren Forderungen noch zu toppen? Dies wäre eine mögliche Lesart der Aussage von Jesus. Ich möchte jedoch eine andere Lesart vorschlagen.

Nach einem Wörterbuch zum Alten Testament wird der Begriff „Gerechtigkeit“ beschrieben als eine Einstellung, die als Ziel des Handelns ungestörte Beziehungen hat. Maßstab der Gerechtigkeit ist dem­nach nicht die Einhaltung eines Regelkataloges oder dessen Ausführungsbestimmungen. Es geht darum, im täglichen Umgang miteinander so zu handeln, dass die Beziehungen von Störungen (Schuld) frei bleiben oder wieder frei werden. Wer so handelt, ist ein „Gerechter“.

Jesus verlangte also nicht ein noch höheres Maß an Perfektionismus, sondern eine bessere Qualität an Gerechtigkeit. Eben eine Gerechtigkeit, mit der wir unsere Beziehungen von störendem Ballast freihalten oder befreien.

Sehnst du dich nach solcher Gerechtigkeit? Dann lass dich zuerst durch die Vergebung Gottes mit einer ungestörten Gemeinschaft zu deinem Vater im Him­mel beschenken. Und im nächsten Schritt beschenke gleich heute einige deiner Mitmenschen mit ungestör­ter Gemeinschaft. Viel Freude dabei!

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