Andachten

Andacht

Andacht 04.05.2017

04. Mai 2017 | Beate Strobel

Andacht 04.05.2017

© Foto: adventisten.de

Gott, höre mein lautes Klagen! Schütze mein Leben vor den Feinden, die mich in Angst und Schrecken stürzen! Psalm 64,2

Vor einigen Jahren wurde das Spiel „Meckerfreie Zone“ von dem norddeutschen Pfarrer Klaus Guhl ins Leben gerufen. Man nehme ein lila Silikonarmband und trage es am Arm, egal ob rechts oder links. Und jedes Mal, wenn man sich beim Meckern erwischt, wechselt das Armband das Handgelenk. Gewonnen hat, wer es schafft, 21 Tage am Stück seinen Alltag zu leben ohne zu meckern, zu jammern, zu klagen, zu kritisieren. 21 Tage deshalb, weil dann das menschli­che Gehirn neue Routinen gelernt hat.

Ein besseres Leben, eine bessere Welt ohne Me­ckern. Aber was ist eigentlich so schlimm am Klagen? Es tut doch auch gut, sich mal den ganzen Mist von der Seele zu schimpfen und Dampf abzulassen. „See­lenhygiene“ nennen das die Psychologen. Ist also eine Welt, in der nicht gemeckert und geklagt wird, wirk­lich eine bessere Welt?

Wer meckert, der möchte seiner Umwelt mitteilen, was ihn ärgert oder beschwert. Im besten Fall ändert sich dann etwas - vermutlich weil es jemandem nicht gleichgültig ist, dass sich ein anderer geärgert hat. Klagen ist aber nicht Meckern. Wer klagt, erlebt etwas, das das Leben in seinen Grundfesten erschüttert, mit dem er nicht allein zurechtkommt, zum Beispiel die Diagnose einer schweren Krankheit oder der Tod eines geliebten Angehörigen.

In solchen Zeiten großer persönlicher Not ist es gut und heilsam, wenn man weiß, dass seine Klage auf offene und mitfühlende Ohren trifft. Und deshalb nimmt die Klage gerade in der Bibel, allen voran im Buch der Psalmen, so einen breiten Platz ein. Die Menschen versinken nicht im Leid, sie sagen laut und klar: „Gott, hier bin ich. So geht es mir. Ich spreche es aus, was mir geschieht!“ So wie es auch David im 64. Psalm tat. Das ist der erste Schritt, etwas zu ver­ändern. Und deshalb enden viele Kriegspsalmen auch mit einem Lob. Das öffnet einen neuen Zugang. David erzählte von seinem Leid, aber auch von einem tiefen Vertrauen auf Gott, der selbst in der Not nicht fern ist.

Meckern und Klagen gehört zum Leben. Was die „meckerfreie Zone“ vermeiden möchte, ist zielloses Meckern und Klagen, das nichts ändert. Es ist nur ein Spiel mit dem Denkanstoß, so zu leben, dass man das von Gott geschenkte Leben positiv gestalten kann. Bei mir hat das gewirkt.

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