28 Glaubensüberzeugungen

9. Leben, Tod und Auferstehung Christi

Leben, Tod und Auferstehung Christi

Das Leben Christi im vollkommenen Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes, sein Leiden, sein Tod und seine Auferstehung sind das einzige Mittel, die Sünde des Menschen zu sühnen. Wer diese von Gott bewirkte Versöhnung im Glauben annimmt, hat das ewige Leben. Die ganze Schöpfung kann so die unendliche und heilige Liebe des Schöpfers besser verstehen. Diese vollkommene Versöhnung erweist die Gerechtigkeit des Gesetzes Gottes und offenbart Gottes Güte. Dadurch wird unsere Sünde verurteilt und zugleich ein Weg zu ihrer Vergebung geöffnet. Christi stellvertretender Tod hat sühnende, versöhnende und umwandelnde Wirkung. Christi leibliche Auferstehung verkündet Gottes Triumph über die Mächte des Bösen und sichert allen, die sich versöhnen lassen, endgültigen Sieg über Sünde und Tod zu. In seiner Auferstehung wird offenbar, dass Christus der Herr ist. Vor ihm werden einst alle im Himmel und auf Erden ihre Knie beugen.
(1 Mose 3,15; Psalm 22,2; Jesaja 53; Johannes 3,16; Johannes 14,30; Römer 1,4; Römer 3,25; Römer 4,25; Römer 8,3–4; 1 Korinther 15,3–4.20–22; 2 Korinther 5,14–15.19–21; Philipper 2,6–11; Kolosser 2,15; 1 Petrus 2,21–22; 1 Johannes 2,2; 1 Johannes 4,10)    

| Glaubensüberzeugungen der Siebenten-Tags-Adventisten, Nr. 9

© Foto: Paul G. Wiesenberg/churchphoto.de

Warum musste Jesus sterben?

Die erste Antwort auf diese Frage klingt fast banal: Jesus musste sterben, weil er ganz Mensch war und wie alle anderen Menschen früher oder später eines natürlichen Todes gestorben wäre. Als Wanderprediger und Wundertäter hätte er zwar sicher Spuren hinterlassen, sich in die Reihe jüdischer Propheten einreihen, als Bussprediger und Reformer in die Geschichte des Volkes Israel eingehen können. Doch irgendwann hätte der natürliche Alterungsprozess dazu geführt, dass seine irdische Lebenszeit abgelaufen wäre und er das Schicksal aller Menschen geteilt hätte. Doch damit bliebe unsere Frage unbeantwortet und die erstaunliche Wirkung seines Lebens – oder genauer: seines Todes – unerklärt.

Eine zweite, tiefergreifende Antwort ergibt sich aus den Berichten der Evangelien über die Hintergründe, die zu seiner Verurteilung und Kreuzigung führten. Man muss kein Jurist sein, um beim Lesen dieser Berichte zu spüren, dass Jesus einem Justizmord und einer Intrige zum Opfer fiel, deren Hintermänner vor Heuchelei, Verleumdung und selbst Meineid nicht zurückschreckten. Dabei kamen zwei Umstände zusammen: die Angst der jüdischen Obersten um ihren Einfluss und die Furcht der Römer vor einer jüdischen Revolte. Jesus musste sterben, weil er durch sein öffentliches Wirken die religiösen Führer des Volkes gegen sich aufbrachte und Pilatus sich ihnen gegenüber nicht durchsetzen konnte und zuletzt auch nicht wollte.

Den Evangelien zufolge hatte Jesus selbst wiederholt auf seinen eigenen, gewaltsamen Tod hingewiesen und ihn dabei als ein „Muss“ bezeichnet (Matthäus 16,21 par; Johannes 3,14). „Der Menschensohn muss viel leiden … und getötet werden.“ (Markus 8,31; vgl. Lukas 9,22; 17,25; 24,7) Jesus sah darin die Erfüllung alter biblischer Prophezeiungen (Lukas 18,31; 22,37; 24,25ff.,44ff.) und betrachtete sein ganzes Leben als die Verwirklichung eines göttlichen Planes (Lukas 2,49; 4,43; 13,33; 19,5 .10; Johannes 9,4;10,16). Als Jesus am Kreuz hing, rief er aus: „Es ist vollbracht!“ (Johannes 19,30) Aufgabe erledigt, Auftrag ausgeführt. Doch welche „Mission“ hatte er vollendet?

Was bedeutet Jesu Tod für uns?

Diese Frage hat christliche Denker zu allen Zeiten beschäftigt, ja umgetrieben. Zahllose Bücher wurden darüber geschrieben, ganze Regale mit Werken gefüllt, die versuchen, den wahren Sinn des Todes Jesu zu erklären und seine tiefe Bedeutung zu erfassen. Sie alle versuchen, die Aussagen des Neuen Testaments zu deuten, die uns Einblick geben in das Selbstverständnis Jesu und die darauf beruhende Sicht der Apostel.

Unsere Schuld ist gesühnt

In Anlehnung an den Opferdienst des alten Bundes verstanden die ersten Christen den Tod Jesu am Kreuz als das Sühnemittel Gottes, durch das Gott selbst unsere Schuld getilgt hat (Römer 3,25). Das Blutopfer auf Golgatha war notwendig, „um vor Gott Sühne zu leisten für die Sünden des Volkes [Israel]“ (Hebräer 2,17 GNB), „ja sogar für die Schuld der ganzen Welt“ (1 Johannes 2,2 GNB). Jesu eigentliche Mission bestand also darin, „sein Leben als Lösegeld für alle Menschen hinzugeben“ (Markus 10,45; 1 Timotheus 2,5f.; 1 Petrus 1,18f.). Sein vollkommener Gehorsam und stellvertretendes Opfer befreien uns von unserer Schuld; wir erhalten Vergebung und ein neues Leben (Epheser 1,7; 5,2; 1 Petrus 2,21ff.; Hebräer 9-10). Schon der Prophet Jesaja hatte angekündigt, dass der „Knecht Gottes“ sein Leben als Opfer für unsere Schuld dahingeben sollte. „Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (Jesaja 53,5; Daniel 9,24).

Jesus Christus hat gesiegt

So wenig seine Auferstehung bewiesen werden kann, so beeindruckend sind doch die Berichte der vielen Zeugen, die ihn selbst gesehen haben (Matthäus 28; Markus 16;Lukas 24; Johannes 20f.; 1 Korinther 15,1ff). Auch das leere Grab lässt sich kaum anders erklären, als dass hier in der Tat etwas Außergewöhnliches geschehen ist (Matthäus 27,62 bis 28,15). Selbst die Zweifler unter seinen Jüngern wurden schliesslich überzeugt (Matthäus 28,17; Markus 16,11ff.; Lukas 24,11.41; Johannes 20,24). Die Auferstehung Jesu ist das Zeichen, dass sein Opfer nicht umsonst war, sondern seinen Zweck erfüllt hatte (Römer 4,25; 5,10; 1 Korinther 15,17). Durch sie wurde der als Verbrecher verurteilte Jesus von Gott selbst rehabilitiert (Apostelgeschichte 2,22).

Sie ist darüber hinaus aber auch die Grundlage für die christliche Hoffnung auf die Auferstehung von den Toten (1 Korinther 15,12ff). Wenn die Macht des Todes gebrochen ist, ist sie für immer und für alle gebrochen. Insofern ist die Auferstehung Jesu zwar „ein Ereignis der Vergangenheit, aber nicht ein vergangenes Geschehen“ (B. Klappert). Deshalb steht sie zu Recht im Zentrum der christlichen Botschaft.

Paradoxerweise war die Stunde der grössten Niederlage auch der Augenblick seines grössten Triumphs. Bereits vor seinem Tod war sich Jesus bewusst, dass seine „Erhöhung“ am Kreuz die „Verherrlichung“ des Vaters und des Sohnes bedeuten würde (Johannes 3,14f.; 17,1f). So wurde sichtbar, dass der Sieg über Sünde, Tod und Teufel nicht mit den üblichen Mitteln der Macht oder militärischer Gewalt errungen wurde, auch nicht mit verbaler Erpressung, moralischem Druck, zweifelhaften Tricks oder politischen Intrigen. All diese Mittel sind völlig untauglich für Gottes Absicht, die Menschen als Freunde und Vertraute zurückzugewinnen.

Die Sühne für die Schuld der Menschen brachte auch die Versöhnung des Menschen mit Gott. Gott war zwar stets auf unserer Seite, doch wir hatten uns von ihm abgewandt, ihm feindlich den Rücken zugekehrt, ihn rebellischtrotzig abgelehnt. In Christus jedoch hat uns Gott wieder mit sich ins Reine gebracht, Frieden wiederhergestellt, Vertrauen gewonnen. Wir sind mit Gott versöhnt! Wer das Evangelium hört und begreift, bleibt nicht unberührt; er lässt sich mit Gott versöhnen und gibt die Versöhnungsbotschaft weiter (Römer 5,10f.; 2 Korinther 5,18ff.).

„Was bleibt zu alldem noch zu sagen? Gott selbst ist für uns, wer will sich dann gegen uns stellen? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern hat ihn für uns alle in den Tod gegeben … Wer kann die Menschen anklagen, die Gott erwählt hat? Gott selbst spricht sie frei. Wer kann sie verurteilen? … Mitten in alldem triumphieren wir als Sieger mit Hilfe dessen, der uns so sehr geliebt hat … Nichts in der ganzen Welt kann uns jemals trennen von der Liebe Gottes, die uns verbürgt ist in Jesus Christus, unserem Herrn.“ (Röm 8,31ff. GNB)

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