Adventisten

Geschichte

Theologische Herkunft


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Adventisten orientieren sich an Lehre und Leben der ersten Christen. Nicht spätere Entwicklungen und kirchliche Traditionen bilden den Massstab für Glauben und Handeln, sondern das, was die Heilige Schrift vom Glauben Jesu und seiner Apostel berichtet.
Siebenten-Tags-Adventisten sind somit eine christliche Kirche. Das verbindet sie mit den Christen und Kirchen aller Zeiten zu einer universalen Gemeinschaft der Glaubenden.

Miterben der Reformation

Die Rückbesinnung auf die Wurzeln des christlichen Glaubens führte im 16. Jahrhundert zur protestantischen Reformation und zur Gründung evangelischer - das heisst dem Evangelium verpflichteter - Kirchen. Ihr Bekenntnis betont die Kerninhalte des biblischen Glaubens: Jesus Christus allein bringt das Heil. Nur Gottes Gnade kann uns retten. Allein der Glaube zählt vor Gott. Nur die Bibel besitzt letzte Autorität.
Siebenten-Tags-Adventisten sind somit eine „evangelische" Kirche. Sie verstehen sich als Erben der Reformation, die es weiterzuführen und zu vollenden gilt.

Kirche braucht Erneuerung

Das Bemühen um die Erneuerung der Christenheit führte zur Bildung von so genannten „Freikirchen", die staatsunabhängig und dem Prinzip der Freiwilligkeit verpflichtet sind. Im 19. Jahrhundert kam es in Europa und Nordamerika zu geistlichen Aufbrüchen und Erweckungen, welche die Wiederkunft von Jesus Christus erwarteten und verkündigten. Aus dieser „Adventbewegung" gingen die heutigen Adventisten hervor.
Siebenten-Tags-Adventisten sind somit eine Freikirche. Die Mitgliedschaft setzt das Bekenntnis zu Jesus und die eigene Taufentscheidung voraus.

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Geschichtliche Herkunft

 

Nordamerika gilt als Wiege des modernen Freikirchentums. Auf dem Boden des Kontinents wurde das Christentum zu einer staatsfreien, nur an Gewissen und persönlicher Überzeugung gebundenen Religion.

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte der nordamerikanische Protestantismus mehrere Erweckungsbewegungen. Die nachfolgenden Jahreszahlen greifen die wichtigsten Ereignisse auf, aus denen die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten entstanden ist, die heute eine weltweite Bewegung ist.

1839

William Miller / © Foto: EGW-Estate 

Der Farmer und baptistische Laienprediger William Miller (1782-1849) trifft in Boston auf den Sozialreformer und Pastor Joshua V. Himes (1805-1895); sie werden die einflussreichsten Leiter der interkonfessionellen „Adventbewegung“. Aufgrund intensiven Bibelstudiums - vor allem der prophetischen Aussagen - war Miller zu der Überzeugung gelangt, dass das Ende der Welt bevorsteht.

1840 - 1844

Die „Millerbewegung“ erfasst schätzungsweise 100.000 Menschen, die Jesu sichtbare Wiederkunft in allernächster Zukunft erwarten. Bis zu 2.000 Pastoren verschiedener Denominationen predigen vom baldigen Advent und den „Zeichen der Zeit“, die dieses Ereignis ankündigen.

22.10.1844

Nach der „grossen Enttäuschung“ am 22.10.1844 zerfällt die Bewegung in mehrere Gruppen, aus denen bald darauf neue Denominationen entstehen. Eine dieser kleinen Gruppierungen entwickelt sich später zur weltweiten Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten mit inzwischen über 20 Millionen getauften Mitgliedern. [Stand: Ende 2016 ]

ab 1848

James White, Joseph Bates, Hiram Edson – die späteren Gründer der Siebenten-Tags-Adventisten – und andere formieren sich zu einer neuen Gemeinschaft, deren auffälligstes Kennzeichen die Feier des siebenten Wochentags („Sabbat“) ist. In ihrer Mitte wirkt die prophetisch begabte Ellen G. White (1827-1915), die zur einflussreichsten Person des Adventismus wird.

1860 - 1863

Namensgebung (1860) und offizielle Gründung (1863) der „Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten“ als "Seventh-day Adventist Church".

Gründungspersonen: Ellen & James White, Joseph Bates, John Andrews

Ellen Gould White
(1827-1915)
Mitbegründerin der
Kirche und spirituelle
Leiterin
(Foto 1859)
© Fotos: EGW-Estate
James Springer White
(1821-1881)
Ehemann von
Ellen White. Er war
dreimal Präsident der
Kirchenleitung.
(Foto 1864)
Joseph Bates,
(1792-1872)
Spitznamen
"Apostel des Sabbats".
Begründer des
sabbathaltenden
Adventismus. Er förderte
den siebenten Wochentag,
den Samstag, als Sabbat.

 

1867

Eine Vorläufergemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten entsteht 1867 in Tramelan/Schweiz aufgrund des Wirkens des ehemaligen römisch-katholischen Priesters Michael Belina Czechowski (1818-1876). Er war in den USA Siebenten-Tags-Adventist geworden und missionierte in Europa ohne Auftrag der adventistischen Kirchenleitung.

1874

John N. Andrews / © EGW-Estate Jakob Erzberger / © EGW-Estate

Der Amerikaner John N. Andrews (1829-1883) kommt 1874 als erster offizieller Missionar nach Europa, wo er am 16. Oktober 1874, in Neuenburg, mit Adventisten aus der Schweiz zusammentraf.

Am 1. November 1874 wurde in Neuenburg eine erste Jahresversammlung der Siebenten-Tags-Adventisten in der Schweiz durchgeführt. Es waren Vertreter von Gemeinden und Gruppen aus Tramelan, Le Locle, La Chaux-de-Fonds, Fleurier, Biel und Buckten anwesend.

In der Schweiz gründet John N. Andrews mit dem Schweizer Prediger Jakob Erzberger (1843-1920) die erste adventistische Mission ausserhalb Nordamerikas. 1883 stirbt John N. Andrews an Tuberkulose und wird auf dem Basler Wolfgottesacker beerdigt. Sein Grab ist bis heute erhalten.

1883

Die Gründung der ersten offiziellen Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten in der Schweiz fand am 29. Oktober 1883 in Basel statt. Am 15. Dezember 1883 wurde die Gemeinde Tramelan offiziell gegründet.

1884

Gründung der "Schweizer Vereinigung" in Biel (24.-27.05.1884), bestehend aus fünf Gemeinden, vorwiegend aus der Romandie. Sie ist die Vorgängerorganisation der heutigen Fédération des Eglises Adventistes du 7e jour de la Suisse romande et du Tessin, einem organisatorischen Zusammenschluss der Ortsgemeinden in der französisch- und italienischsprechenden Schweiz.

1888

Während der „Generalkonferenz“ (heute: "Generalkonferenz-Vollversammlung" bzw. "Weltsynode") in Minneapolis, Minnesota/USA, kommt es zu theologischen Auseinandersetzungen, die zu einer neuen Betonung des persönlichen Glaubens an „Christus – unsere Gerechtigkeit“ führen.

1889
 

L. R. Conradi / © Historisches Archiv der Adventisten, Friedensau

Ludwig Richard Conradi (1856-1939) beginnt von Hamburg aus die deutsche Advent-Mission. 1891 wird die deutsch-russische Mission gegründet. Unter seinem visionären Weitblick, seiner organisatorischen Fähigkeit sowie seiner rhetorischen wie schriftstellerischen Begabung breitet sich die Freikirche bis zum ersten Weltkrieg in weiten Teilen Europas aus, darüber hinaus auch im Nahen Osten, in verschiedenen Gebieten Afrikas (vor allem dem ehemaligen Deutsch-Ostafrika), in Südamerika und Asien.

1901

Weltweite Reorganisation der Kirche aufgrund des Wachstums: Es wurde eine neue Ebene der Kirchenleitung zwischen der Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) und den Vereinigungen eingeführt, die sogenannten Unionen.
Die adventistischen Gemeinden in der Deutschschweiz wurden im Zuge dieser Reorganisation der Deutsch-Russischen Union zugeteilt und die französischsprachigen Gemeinden in der Romandie dem Franko-Lateinischen Feld.
Damals wurde die „Deutschschweizerische Vereinigung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten“ mit Sitz in Zürich gegründet. Die Vereinigung hat die Rechtsform eines Vereins im Sinne von Art. 60 ff. ZGB. Sie verbindet die adventistischen Ortsgemeinden in der Deutschschweiz und im Fürstentum Liechtenstein.

1928

Gründung der „Schweizer Union der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten“. Die Fédération des Eglises Adventistes du 7e jour de la Suisse romande et du Tessin bildet mit der Deutschschweizerischen Vereinigung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten die "Schweizer Union".

1949
 

Schloss Bogenhofen / © SSB-Webseite

In Bogenhofen bei Braunau am Inn, Oberösterreich, wird das Seminar Schloss Bogenhofen ein, theologisches Seminar zur Ausbildung der Pastoren, eröffnet. Das Seminar wird von den Adventisten in Österreich und der Deutschschweiz gemeinsam getragen wird. Das adventistische Schulinternat verfügt heute - neben dem theologischen Seminar – über eine Volksschule mit Öffentlichkeitsrecht, ein staatlich anerkanntes Oberstufenrealgymnasium und über eine akkreditierte Deutsch-Sprachschule auf Collegeniveau.

1980

Neuformulierung von 27 „Glaubensüberzeugungen“ während der adventistischen Weltsynode in Dallas, Texas/USA; im Jahr 2005 wird ein 28. Artikel zu den Glaubensüberzeugungen hinzugefügt.

2017

Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in der Deutschschweiz zählt rund 2.500 erwachsen getaufte Mitglieder, - schweizweit sind es über 4.600 Mitglieder: Aktuelle Statistik

 

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Historisches Archiv der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Europa

Historisches Archiv der
Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Europa
D-39291 Möckern-Friedensau
Deutschland
T: +49 3921 916-155
E: daniel.heinz(at)thh-friedensau(dot)de
W: www.thh-friedensau.de/studium/theologie/forschung/historisches-archiv

Leiter: Daniel Heinz, M.A., Ph.D (USA)

Office of Archives, Statistics and Research (ASTR) of the Adventist World Church

Office of Archives, Statistics, and Research
Adventist World Headquarters
12501 Old Columbia Pike
USA-Silver Spring, MD 20904-6600

T: +1 301 680-5020
F: +1 301 680-5038
E: archives(at)gc.adventist.org
W: http://documents.adventistarchives.org/default.aspx

 Direktor ASTR: David Trim, Ph.D / © Foto: Tor Tjeransen/adams

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Lehrmässige Übereinstimmungen der Adventisten mit:

  • Allen Christen, - die drei altkirchlichen Bekenntnissen (Apostolikum [2. Jh.]; Nicäno-Konstantinopolitanum [325/381]; Athanasianum [7./8. Jh.]): Trinität (Dreieinigkeit); Inspiration der Heiligen Schrift; Jungfräuliche Geburt Jesu Christi; Ewiges Leben.
  • Kirchen der Reformation: Sola gratia» - Allein durch Gnade erlöst /  «Sola fide» - Allein durch Glauben erlöst /  «Sola scriptura» - Allein die Schrift als Glaubensbasis /  «Solus Christus» - Allein durch Christus erlöst /  «Sacerdotium omnium» - «Allgemeines Priestertum» bzw. persönliche Verantwortung des Gläubigen vor Gott.
  • Reformierten Kirchen: Ernst des praktischen Christentums; Fleiss und Nächstenliebe; Abendmahlsverständnis.
  • Baptisten: Biblische Glaubenstaufe - Erwachsenentaufe
  • Methodisten: Betonung des subjektiven Heilserlebnisses und der Heilsgewissheit. Adventisten haben kein wesleyanisches, sondern ein lutherisches Heiligungsverständnis: Keine Zunahme an Heiligkeit, sondern zugesprochene Heiligkeit.
  • Pietistische Gemeinschaften: Vertiefung des Glaubenslebens durch Bibellesen und Gebet.
  • Heilsarmee: Verzicht auf Alkohol, Tabak, Drogen und andere schädliche Gewohnheiten. Engagement für Suchtkranke und sozial Schwache.
  • Quäker: Opferbereitschaft für Notleidende
  • Mennoniten: Verzicht auf Gewaltanwendung und bewaffneten Wehrdienst
  • Brüdergemeinde: Liebe zur missionarischen Tätigkeit
  • Siebenten-Tags-Baptisten (gegründet 1671): Sabbat (Samstag) als biblischer Ruhetag
© Tiki Küstenmacher