Katholiken weiterhin von britischer Thronfolge ausgeschlossen print druckenemail versenden

London/Grossbritannien, 13.07.2010 / APD

Thronfolgeregelung im Act of Settlement

Thronfolgeregelung im Act of Settlement

(Grundordnung) von 1701

Wie die britische Tageszeitung "Daily Mail" am 2. Juli berichtete, beabsichtige der konservative Premierminister David Cameron keine Änderungen der Regeln der britischen Thronfolge, welche Katholiken sowie mit "Papisten" Verheiratete automatisch von der Thronfolge ausschliessen. Die Vorgängerregierung unter Gordon Brown hatte geplant, die in der Bill of Rights von 1689 und im Act of Settlement von 1701 festgelegten Vorschriften so zu ändern, dass in Zukunft auch Katholiken die Thronfolge antreten könnten. Seit der Festsetzung des Act of Settlement im Jahre 1701 ist allerdings noch nie ein Katholik in die engste Thronfolgereihe gerückt.

Die Ankündigung der neuen britischen Regierung, Katholiken auch weiter von der Thronfolge auszuschliessen, stiess auf scharfe Kritik römisch-katholischer Bischöfe. "Es ist doch recht ironisch, dass jene beiden Koalitionsparteien, die sich selbst als Vorkämpfer der Gleichberechtigung darstellen, ihre Ära ausgerechnet mit der klaren Botschaft an die Katholiken beginnen, dass sie die Ausnahme sein werden", sagte der Vorsitzende der katholischen Schottischen Bischofskonferenz, Kardinal Keith O'Brien, in Edinburgh.

Bischof Joseph Devine von Motherwell erklärte: "Wenn ein Monarch einen Scientologen, einen Muslim, Buddhisten, Moon-Anhänger und sogar einen Satanisten heiraten darf, nicht aber einen Katholiken, dann läuft hier irgendwas ziemlich falsch." Kaum zwei Monate nach seiner Regierungsübernahme zeige Premierminister David Cameron bereits deutliche Zeichen einer "Arroganz der Macht", so der katholische Geistliche.

Die Aufhebung des "Act of Settlement" ist ein lange verfochtenes Anliegen der römisch-katholischen Kirche in Grossbritannien. Für eine Änderung ist die Zustimmung des Parlaments und der Commonwealth-Staaten nötig, denen das britische Staatsoberhaupt ebenfalls vorsteht.

Papst Benedikt XVI. wird am 16. September zum ersten Staatsbesuch eines Papstes in Grossbritannien in Edinburgh eintreffen. Beim Papstbesuch wird das Verhältnis zwischen Staat und Kirche und damit auch der "Act of Settlement" ein wichtiges Gesprächsthema bilden. Benedikt XVI. wird in der offiziellen schottischen Residenz von Königin Elizabeth II., dem Holyroodhouse Palace in Edinburgh, als Staatsgast empfangen. Johannes Paul II. war 1982 im Rahmen eines Pastoralbesuchs auf die Insel gekommen.

Nach dem Empfang durch die Monarchin - sie ist auch weltliches Oberhaupt der anglikanischen Kirche von England - feiert Benedikt XVI. eine Freiluftmesse in Glasgow, zu der mehrere Zehntausend Katholiken aus der ganzen Insel erwartet werden. Denn im Norden Grossbritanniens leben die meisten Katholiken; in Schottland bilden sie 16 Prozent der Bevölkerung und die grösste Gruppe unter den Sonntagsgottesdienstbesuchern. Weitere Stationen des Staatsbesuches sind London und Birmingham.

Am zweiten Besuchstag wird Benedikt XVI. das St. Mary's College in Twickenham südwestlich von London besuchen. Diese Universität ist eine der wenigen in England, die von der römisch-katholischen Kirche geführt werden. Der Papst will in Twickenham - ähnlich wie an der Prager Karlsuniversität vor einem Jahr - eine Grundsatzrede über die Rolle der Kirche in der akademischen Welt halten. Oberhäupter anderer Glaubensgemeinschaften werden ebenfalls erwartet. Am gleichen Tag wird der Papst den anglikanischen Erzbischof von Canterbury, Rowan Douglas Williams - geistliches Oberhaupt der Kirche von England und Ehrenoberhaupt der anglikanischen Kirchengemeinschaft -, in seiner Londoner Residenz, dem "Lambeth Palace", besuchen.

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